Workshop – BC Northern Marine Barge – Vorüberlegungen

Wenn man sich meine Anlagenentwürfe so anschaut, dann gibt es eine Komponente auf die ich auf keinen Fall verzichten würde. Den Eisenbahnprahm. Im nordamerikanischen Sprachgebrauch spricht man von einer Rail Barge oder Car Float.

Wo liegt der Unterschied? Gute Frage. Die Rail Barges von Alaska Marine Lines oder dem CN Aquatrain werden über die Inlandpassage zwischen dem Bundesstaat Washington oder British Columbia und Alaska eingesetzt. Sie sind sehr groß und Seefest. Car Floats hingegen sieht man eher auf Flüssen, Seen oder in Häfen. Ist das ein passendes Unterscheidungskriterium?

Liest man sich diesen Artikel auf marineinsight.com durch, so ist eine Rail Barge das gleiche wie eine Car Float. Auch Wikipedia vertritt offenbar diese Auffassung. Die Wörter können demnach untereinander ausgetauscht werden. Ich lasse dies mal so stehen, bis mir eine andere Definition über den Weg läuft.

Im deutschen Sprachgebrauch werden antriebslose Schiffe als Leichter, Schute oder Prahm bezeichnet. Leichter und Schuten sind Ladungsbehälter und haben daher einen Laderaum. Sie werden in den Rumpf hinein beladen.

Prahme hingegen sind Plattformen, die obenauf mit Decklasten und Ladung beladen werden. Für ein antriebsloses Schiff zum Transport von Bahnwagons auf Deck ist also der Prahm die richtige Wahl.

BC Northern Marine – Rail Barge

In drei älteren Artikeln habe ich dieses Thema schon einmal behandelt (Teil 1, Teil 2 und Teil 3). Zu der Zeit wollte ich einen sehr einfachen 2-Gleisigen Prahm im 3D Druckverfahren bauen und habe im Zuge dessen ein Musterexemplar fertig gestellt.

Das neue Projekt bedient die stetig in die Moderne verschobene Epoche der geplanten Bahn. Anfangs ging es mir um die Wirtschaftswunderzeit. Jetzt hingegen sind es die 1980er Jahre (bzw. der fließende Bereich zwischen 1970 bis 2001, mit einem Schwerpunkt irgendwo in den 80ern).

Das wesentliche Merkmal der Seefracht und Eisenbahn Ladegüter ist der Container, den ich ausreichend berücksichtigen will. Daher soll der neue Prahm auch Seecontainer transportieren. Idealerweise beides. Güterwagen und Container. Normale Deckfracht wie Baumaschinen oder Baumaterial ist ebenfalls möglich.

Als Vorbild habe ich mir die Alaska Marine Lines ausgesucht, die Eisenbahnwagen und Container zwischen Seattle und Alaska transportieren. Dabei komm 100 x 400 Fuss (etwa 30m x 120m) große Prahme zum Einsatz, die auf dem Deck Wagons und in Gerüsten darüber Container transportieren. Dieses Video zeigt wie dies aussieht.

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Ansätze und Voraussetzungen

Um eine solche Szene zu porträtieren ist eine Betrachtung des Platzedarfs und der benötigten Modelle erforderlich.

Prahme

Die originalen achtgleisigen Prahme werden mittels zweigleisiger Laderampe mit Güterwagen beladen. Die feste Modellszenerie ist sehr gut komprimierbar, dadurch dass auch im Original nur eine zweigleisige Rampe verwendet wird. Hier sehe ich kaum Probleme in der Praxis. Wir betrachten hier zum einen die Breite des Prahms und ob überhaupt alle Gleise darauf aktiv genutzt werden sollen. Und wir betrachten die Frage, ob der Prahm austauschbar oder fixiert dargestellt wird. Beides hat Vor- und Nachteile.

Vorbildnahes Modell: zwei Reihen Container über den äußeren Gleisen. Zwei mittlere Gleise dort, wo die Containerenden aufeinander treffen. Alle Gleise haben einen sehr engen aber identischen Abstand zueinander. Damit können alle Gleise nach Bedarf auch einzeln beladen werden, weil diese nicht paarweise ausgerichtet werden müssen.

Aber wie groß ist denn so ein Prahm? Der alte zweigleisige Prahm ist 85mm breit und hat zwei Gleise. Der im Tielbild abgebildete dreigleisige Prahm ist 120 mm breit. Ein achtgleisiger vorbildnaher Prahm wäre 195 mm breit.

Die Länge ist dabei flexibel und sollte Vielfache von 50′ Wagons samt Kupplung betragen. Da die Kupplungen im Modell länger sind als beim Original, muss hier etwas mehr eingeplant werden. Da mehr im Modell im Zweifel Platz erfordert, der nicht da ist, kürzt man ganze Modellwagenlängen aus der Rechnung. 50 Fuss entsprechen 9,51 cm. Ein Vorbildlicher 50′ Wagon entspricht also ziemlich genau 10cm im Modell. Geschätzt ist der Abstand zwischen den Wagons im Modell jedoch größer. Ein guter Wert für die Ladefleislängen der Prahme sind daher vielfache von 10,5cm oder 105 mm. Unter vier Wagenlängen wäre das Konzept zu aufwendig, dies nehme ich als Minimum wahr. Die Länge der Prahme addiert nochmal 3-5 cm für Rampenanschlüsse und Bugausarbeitung jedes Prahms. Damit kommen wir auf folgende Längen:

Vorbild 48-56 Wagons = 7 Wagons je Gleis.

Modell:

7 x 10,5 = 73,5 cm > 76 cm

6 x 10,5 = 63,0 cm > 66 cm

5 x 10,5 = 52,5 cm > 56 cm

4 x 10,5 = 42,0 cm > 45 cm

Verladeanlagen

Zweigleisige Heckladerampe, breite ein- und ausfahrbare Seitenrampe für Stapler. Beide könnten mit Magneten an den Prahm andocken und auch so den elektrischen Kontakt herzustellen. Alle Rampen haben eine fixe Höhe und Lage auf die alle Austauschprahme abgestimmt sind. Diese Anschlusspunkte werden auf einfache Handhabung und Zuverlässige Positionierung ausgelegt, sodass der User das Modell lediglich an die Rampen heranschieben muss und diese automatisch magnetisch einrasten.

Die technische Ausgestaltung und Ausstattung des Prahms umfasst die folgenden Punkte. LED-Beleuchtung und Fahrspurindikator (rot-grün-“Ampel”) über den aktiven Gleisen. Digitalstrom-Zuführung der Gleise und des onboard DCC++ Funktionsdekoders für die Ansteuerung der Schrittmotoren für den seitlichen Verschub des Prahms um die Gleise an der Rampe auszurichten. Das Anfahren der Gleise mittels Schrittmotor “klaut” effektiv Fahrstrom für die Loks. Evtl sollte man daher dem Barge-Yard samt Prahm einen eigenen Booster spendieren. Die Schrittmotoren verbrauchen im Zweifel mehr als die Loks, weit mehr.

Der Mechanismus verschiebt gleichzeitig die seitliche Laderampe für die Stapler. Diese Rampe muss nicht elektrisch bedienbar sein, sie kann auch einfach zum Start der Sitzung mit der Hand ausgefahren werden und nach entfernen des Prahms wieder eingeschoben werden.

Dieser Aufbau ermöglicht es alle Prahm-Modelle ab zwei Gleisen bis zum vorbildnahen achtfleisigen Modell) an diesem Rampen zu nutzen. Dies ist auch ein Hauptanliegen. Die Prahme selbst werden letztlich den Verschiebemechanismus bereitstellen mit dem alle (geplanten) Gleise des Prahms beladen werden können. Durch die Entscheidung, nur eine bestimmte Anzahl der verfügbaren Gleise überhaupt im Verlauf einer Session zu verwenden, kann dieser Mechanismus flexibel ausgelegt werden.

Ladegerät

Als Ladegerät kommen Krane und FLurförderfahrzeuge zum Einsatz. Krane sind dabei noch am leichtesten vorstellbar. Ein Beispiel wäre dieser Mobile Hafenkran, den ich im letzten Jahr designed habe. Dazu zählen aber auch Gabelstapler und Reachstacker, die ist in diesem Artikel vorstelle.